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Geschrieben von Imenothep am 30.12.2008 um 16:02:

  Erzählungen vom Krieg

hallo liebe forumsgemeinde...

ich habe heute schon fast den ganzen tag mich mit dem forum beschäftigt, und bin richtig an den bildschirm gefesselt, wenn ich die vermisstmeldungen gelesen habe...

direkt betrifft es mich zum glück nicht, dass ich einen direkten verwanten von mir durch kriegserlebnisse verloren habe, da ich aus der schweiz (basel) komme..

was mich persönlich wunder nimmt ist, ob ihr "zu hause" offen über den krieg sprechen könnt/konntet, da vermutlich fast jeder in deutschland in irgendeiner form vom krieg betroffen war und jemand von der familie da gefallen ist oder mit glück überlebte...

ich habe paar freunde aus deutschland und nur ganz wenige wissen z.B. von ihrem grossvater...es wurde halt nie mit ihnen darüber gesprochen...es hiess dann einfach immer, dass er im krieg gefallen sei...

natürlich kann ich es absolut nachvollziehen, dass dies traumatisierende erlebnisse waren, die man vielleicht auch gar nicht mehr durch erzählungen nochmals erleben möchte...

wir schweizer waren ja nicht wirklich direkt involviert, allerdings diente mein opa wärend dem krieg im aktivdienst an der grenze und hat mir, als ich noch kind war, immer erzählt, was er da so erlebt hat...

auch dass sich die schweizer soldaten in heuwagen über die grenze "schmuggeln" liessen (natürlich nicht in uniform), damit sie sich mit ihren deutschen freunden wieder mal treffen konnten...
da waren auch erzählungen dabei, die nicht sehr schön waren.

ist es evtl. immer noch ein gefühl der scham, dass man nicht über den krieg spricht?



Geschrieben von Imkermichel am 02.01.2009 um 10:03:

 

Hallo Kollege aus der Schweiz,

ich bin an dieses (und andere) Foren gekommen, weil mich genau dieses Problem auch beschäftigt.
Die beiden Großväter meiner Ehefrau sind in dem unsäglichen Krieg gefallen.
Von einem weiss man wenigstens Sterbedatum und -ort. Der andere Großvater galt als "Vermisst im Osten" und wurde in den 50er Jahren für tot erklärt.
Diese beiden Männer sind in den Köpfen der Hinterbliebenen (meiner Schwiegermutter und meinem Schwiegervater) ein absolutes Tabu.
Ich weiss nicht, weshalb.
Vielleicht, weil man sich als Kind schämte, ohne Vater aufgewachsen zu sein?
Ich weiss es nicht.
Ich wollte für beide Großväter eine Nachsuche in den Militärarchiven anleiern, es wurde mir von den Eltern meiner Frau nicht erlaubt!
"Lass die Toten ruhen"
Das sind die stereotypen Standardantworten. Ich weiss nicht, weshalb.
Aber irgendwann werde ich weitersuchen.

Mit freundlichen Grüßen



Geschrieben von bega am 06.11.2013 um 15:32:

 

In seinem letzten Lebensjahr habe ich von meinem Schwiegervater endlich erfahren, warum er zeitlebens nichts rotes gegessen hat.
Es könnten Tomaten sein ..........

Er war in Italien in Gefangenschaft ..........

Ob es ein Gelübbde war, weiß ich nicht,
aber er hat nach seinem Heimkommen nie wieder welche zu sich genommen.


Was eigentlich auch eher ein besondere Fügung war.

In seiner Gefangenschaft hat ein amerikanischer Lieut. Colonel USAF per Zufall den Namen und den Wohnort gelesen.

So fand die Familie wieder zusammen.
Er war ein direkter Nachkomme des 1853 nach Amerika ausgewanderten Urahn der bayrischen Herkunftsfamilie.
Wohnhaft noch immer im gleichen Stammhaus.

Ich denke mal, diese Begegnung war nicht von Nachteil und der Auslöser für weitere Kontakte über Generationen.

Auch das sind Kriegserlebnisse, aber solche, über die man schon immer gerne berichtete,
und das mit einer gewissen Ehrfurcht vor der Fügung.


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